Ersatzbrennstoffe
Eigentlich gibt es sie gar nicht: Weder die einschlägigen Gesetze, noch viele Bürger kennen den Begriff “Ersatzbrennstoffe” oder dessen Kürzel “EBS”. Der Begriff wird in erster Linie in der Abfallwirtschaft und zu PR-Zwecken verwendet. In Wirklichkeit handelt es sich bei EBS hauptsächlich um Kunststoffe, die nicht mehr recycelt, sondern verbrannt werden sollen. Dadurch soll vertuscht werden, dass es sich schlicht und ergreifend um Müll handelt.
Allerdings muss man anerkennen, dass der Müll in Sammelanlagen vorsortiert wurde. Doch nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, auf dessen Schadstoffgehalt hin - das k.o.-Kriterium, was den Müll letztlich zum “Ersatzbrennstoff” macht, ist einzig die Frage, wie gut er nachher im Müllofen brennt. Gern werden deshalb solche Müllverbrennungsanlagen für gut brennbare Abfälle als “EBS-Heizkraftwerk” bezeichnet. Auch die Verwendung dieses Begriffes dient dazu, von der Tatsache abzulenken, dass damit eine “Müllverbrennungsanlage” gemeint ist. Wenn man sich jedoch genauer betrachtet, womit diese angeblichen “Heizkraftwerke” ihren Profit erwirtschaften, dann erkennt man, dass der Bärenanteil der Erlöse mit den Vergütungen für die Verbrennung von Abfällen erzielt wird - und nicht, wie man den Menschen gern weissmachen möchte, mit der Gewinnung von Energie. Letzteres ist lediglich ein netter Nebeneffekt…
Weil sich mit dem Müll so ein gutes Geschäft machen lässt, herrscht in der Abfallbranche derzeit eine richtige Goldgräber-Stimmung: Man überzieht die Republik landauf, landab mit Müllverbrennungsanlagen, getarnt unter dem Deckmäntelchen als “EBS-Heizkraftwerke”. Die Kapazitäten der schon in Betrieb befindlichen EBS-Anlagen sind mit 2.553.000 Tonnen pro Jahr bereits heute immens. Parallel dazu sind aber noch Anlagen mit 9.983.000 Tonnen Jahreskapazität in Planung, im Genehmigungsverfahren oder bereits im Bau! Zusammen mit den ebenfalls geplanten oder in Bau befindlichen “klassischen” Müllverbrennungsanlagen ergibt sich die gigantische Summe von 20.476.000 Tonnen neuer Kapazitäten pro Jahr für die Verbrennung von Müll in Deutschland (Quelle: Remondis)!
Insgesamt fallen in der Bundesrepublik Deutschland aber nur 18.222.000 Tonnen Hausmüll oder hausmüllähnlicher Gewerbeabfälle an (Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Abfallaufkommen Jahr 2005) - Tendenz fallend. Das heisst, man bräuchte keinen Müll mehr zu recyceln und könnte alle bereits in Betrieb befindlichen Müllverbrennungsanlagen abschalten und hätte mit der Fertigstellung der geplanten und in Bau befindlichen Anlagen noch immer Überkapazitäten von gut 2 Millionen Tonnen pro Jahr… offenbar lohnt es sich also, den Müll über weite Strecken aus dem Ausland anzukarren, um ihn hier gewinnträchtig zu verbrennen - oh Deutschland, Du Müllofen Europas!
Zu den Themen “Ersatzbrennstoffe/EBS” und den zugehörigen Abfallöfen hat der BUND Landesverband NRW ein Positionspapier veröffentlicht:
EBS_Position_BUND_NRW.pdf (151.6 KiB)
Weitere Infos zum Thema finden Sie im Downloadbereich unter “Allgemeine Infos”
