Spendenaufruf
Der Flyer wurde in der dritten Februarwoche 2008 in Bernburg verteilt. Hier folgen die Erläuterungen zu den dort genannten Fakten:
- “Ersatzbrennstoffe (EBS)” sind Abfälle: Die einschlägigen gesetzlichen Vorschriften kennen den Begriff “Ersatzbrennstoffe” nicht; es handelt sich ganz einfach um vorsortierte Abfälle, damit sie sich gut verheizen lassen (näheres hierzu auch unter “Ersatzbrennstoffe”)
- In Bernburg soll künftig mehr Müll verbrannt werden als in Köln oder Stuttgart: Bei der geplanten Anlage mit bis zu 552.000 Tonnen Jahreskapazität handelt es sich um die zweitgrößte Anlage zur Verbrennung von Abfällen in Sachsen-Anhalt. Zusammen mit der bereits betriebenen Verbrennungsanlage bei Schwenk-Zement wird sollen in Bernburg künftig weit über 600.000 Tonnen Abfälle verbrannt werden. Damit hätte die Kleinstadt an der Saale tatsächlich mehr Verbrennungskapazitäten als Ballungszentren wie Köln (600.000 to/a) oder Stuttgart (420.000 to/a), um nur zwei Beispiele zu nennen…
- Einsatz billigster Filtertechnik im Vergleich zu anderen MVA’s: Die in Bernburg geplante Anlage soll ganze drei Rauchgasreinigungsstufen erhalten und die vorgeschriebenen Grenzwerte gerade eben einhalten. Moderne Rauchgasreinigungsanlagen in anderen Müllverbrennungsanlagen haben hingegen 8 - 9 Filterstufen und schaffen es damit seit Jahren mühelos, lediglich 10 % der Grenzwerte auszunutzen und entsprechend weniger Schadstoffe zu emittieren (z. B. die MVA’s in Asdonkshof, Bielefeld oder Kiel).
- 280 Müll-Laster täglich auf Bernburgs Straßen: Die immensen Müllmengen müssen laufend aus Sortierbetrieben im Umkreis von 300 Kilometern angefahren werden, um den gigantischen Müllhunger der Anlage zu befriedigen. Damit das gelingt, wollen die Betreiber, dass jeden Tag von Montag bis Samstag zwischen morgens um sechs und abends um zehn Uhr 280 zusätzliche LKW-Fahrten stattfinden - also fährt etwa alle dreieinhalb Minuten ein Müll-LKW durch die Stadt! Für Engpässe haben die Betreiber sogar die Aufhebung des Sonntagsfahrverbots beantragt - die Anlage muss brummen, damit sie auch ordentlich Gewinne abwirft.
- Der Müll kommt von weit her, vermutlich größtenteils aus dem Ausland: Es gibt jetzt schon die Notwendigkeit, Müll wegen zu viel Müllverbrennung nach Sachsen-Anhalt zu importieren. Auch bundesweit gibt es mehr MVA-Kapazitäten als Müll, sodass Deutschland schon heute das “Müllimportland Nr. 1″ ist, wie die Süddeutsche Zeitung jüngst titelte… der Bau dieser riesigen Anlage wird den Sog verschärfen und zu weiteren Mülltransporten per LKW über viele tausend Kilometer führen.
- Es ist eine Anlage zur Verbrennung von Abfällen: Die anfallende Energie ist nur Nebenprodukt und bei Wirkungsgraden von 17,8% (elektrisch) bzw. 32,1% (thermisch) auch nicht gerade beeindruckend viel. Die Energieeinsparung bildet also nur einen Bruchteil des Gewinns; den eigentlichen Umsatz machen die Betreiber über die Annahme von Abfällen, für die sie pro Tonne um die 150,– € kassieren.
- Es werden unterm Strich keine neuen Arbeitsplätze entstehen - ganz im Gegenteil… der größte Teil der 40 Arbeitsplätze, die in der Anlage vorhanden sein werden, wird intern besetzt (durch Umbesetzung aus dem für die MVA stillgelegten Gaskraftwerk bspw.). Dafür werden aber mittelfristig im Tourismus- und Dienstleistungsbereich in Bernburg sehr viele Arbeitsplätze wegfallen oder gar nicht erst entstehen (wer mag schon eine Stadt besuchen, in deren Zentrum eine gigantische MVA die Atemluft verpestet?)
- Der Stadt Bernburg bleiben nicht einmal Gewerbesteuereinnahmen - nur der Dreck und die Belastung der Menschen: Die von Tönsmeier und Solvay eigens gegründete Betreibergesellschaft “Energieanlage Bernburg GmbH” hat ihren Sitz nicht (wie man durch die vollmundige Bezeichnung glauben machen will) in Bernburg, sondern in Hannover. Also werden dort auch die Gewerbesteuern fällig (wenn überhaupt).
- Schwermetalle, Schad- und Giftstoffe, Feinstaub, Abgase und Lärm bedrohen die Natur und unser aller Gesundheit - angesichts der minderwertigen Rauchgasreinigungstechnik, des fehlenden Verkehrskonzepts und der mit alledem einhergehenden Belastungen, braucht dieser Punkt nicht näher belegt zu werden. Wer dennoch mehr wissen will, kann sich in unserem Download-Bereich viele Studien und Dokumente herunter laden, die die Giftigkeit der Verbrennung von Müll belegen…
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