Jeder Ballon eine Tonne Gift!
Samstag, 31. Mai 2008Der 4. Juni 2008 steht in Bernburg ganz im Zeichen des Widerstands gegen die Müllverbrennungsanlage: Podiumsdiskussion mit Oberbürgermeister Schütze um 14 Uhr und Demo gegen die Müllverbrennung um 17 Uhr mit großer Luftballonaktion
Für den 4. Juni haben Schülerinnen und Schüler der Bernburger Sekundarschule Süd-Ost den Oberbürgermeister Henry Schütze und die BiSA (Bürgerinitiative gegen die Solvay-Abfallverbrennung) zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Die Veranstaltung wird um 14 Uhr in Raum 112 des Schulgebäudes am Krummacherring stattfinden.
Um der Stadt in den vom Stadtrat in seiner letzten Versammlung geforderten Verhandlungen für eine bessere Filtertechnik und die Müllanlieferung per Schiene den Rücken zu stärken, rufen die BiSA, der BUND, der AHA, sowie die Parteien DIE LINKE und Bündnis 90 / DIE GRÜNEN am gleichen Tag zu einer großen Demonstration in Bernburg auf: Treffpunkt ist um 17 Uhr auf dem Bernburger Bahnhofsvorplatz. Der Demonstrationszug zieht zum Karlsplatz, wo eine Kundgebung stattfindet. Danach geht’s dann zum Solvay-Werkstor, wo in einer symbolischen Protestaktion mehrere hundert schwarze Luftballons gestartet werden. Jeder dieser Luftballons steht für eine Tonne Giftgas, die künftig Jahr für Jahr aus den Schloten des Müllofens in die Luft geblasen werden sollen. So sollen die Menschen erfahren, wie weit sich die Giftstoffe aus der Anlage in der Region verteilen werden. Seit Dezember haben sich bereits weit über 3.000 Menschen mit Ihrer Unterschrift gegen den Bau der Anlage ausgesprochen.
„Wir erwarten jetzt von Solvay und Tönsmeier in Bernburg ein deutliches Entgegenkommen in der Auseinandersetzung um die Müllverbrennung: Es sollen mindestens die gleichen Maßstäbe gelten, wie in der vergleichbaren Solvay-Anlage im nordrhein-westfälischen Rheinberg. Außerdem fordern wir gemeinsam mit der großen Mehrheit des Stadtrats eine Anlieferung des Mülls per Schiene unter Nutzung der vorhandenen Gleisanschlüsse“, so Peter Engert, Sprecher der BiSA. So könnten die Unternehmen Tönsmeier und Solvay beweisen, dass es ihnen nicht nur um den schnellen Profit
sondern auch um die Gesundheit der Menschen in Bernburg gehe.
Das Thema Müll hält indes das ganze Land im Griff: Während auf der einen Seite parlamentarische Untersuchungsausschüsse die Rolle von Politik und Behörden bei der Kontrolle der Abfallwirtschaft im Zusammenhang mit illegaler Müllablagerung ermitteln sollen; wurden andererseits Millionen Tonnen Mafia-Müll offenbar unrechtmäßig über die Grenze nach Deutschland geschafft, wie die neapolitanischen Behörden zu Anfang dieser Woche vermeldeten. Trotzdem entstehen gerade in Sachsen-Anhalt weiter drastische Überkapazitäten bei Müllöfen, sodass die dunklen Kanäle des lukrativen Müll-Geschäfts wuchern: Allein in Bernburg wird man bald weit mehr Müll verbrennen, als im ganzen Bundesland anfällt. Zusammen mit der Mitverbrennungsanlage im Schwenk-Zementwerk hat die Kleinstadt dann mehr Verbrennungskapazitäten für Müll als Köln oder Stuttgart.
